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SaN-Projekt koordiniert in Hessen Patientenanrufe

05. Oktober 2026

Foto: Main-Kinzig-Kreis

Gelnhausen (MKK) – Um Patientinnen und Patienten gezielter der richtigen Versorgung zuzuführen, läuft derzeit in einigen hessischen Landkreisen das Modellprojekt „SaN“.

SaN steht für „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung“. Erprobt wird es aktuell im Main-Kinzig-Kreis ebenso wie in den beiden Landkreisen Main-Taunus und Gießen – in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Wesentliche Grundpfeiler des Projekts sind eine digitale Schnittstelle zwischen den Integrierten Leitstellen (112) und dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) sowie die Zusammenarbeit mit Partnerpraxen.

„Menschen, die ein gesundheitliches Problem haben, können selbst nicht immer gut einschätzen, ob es sich um einen wirklichen Notfall handelt, oder ob sie besser in einer hausärztlichen Praxis aufgehoben wären – oder andersherum. Genau hier setzt das SaN-Projekt an“, erläutert Dr. Wolfgang Lenz, Leiter des Amtes für Gesundheit und Gefahrenabwehr des Main-Kinzig-Kreises.

Im Fokus stehen die Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen sowie eine sichere ambulante Anschlussversorgung.

„Das ist ein wichtiger Aspekt, denn wir wollen nicht nur die echten Notfälle schnell versorgt wissen, sondern auch Patienten und Patientinnen, die zwar kein Fall für die Notaufnahme sind, aber dennoch ärztliche Unterstützung benötigen“, so Dr. Manuel Wilhelm, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst. Diese erhalten dann eine Rückmeldung seitens des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes und werden an die für sie richtige Stelle weitergeleitet.

Die teilnehmenden Praxen sind über das webbasierte Informations- und Kommunikationssystem IVENA angebunden, das Patientenzuweisungen zwischen Rettungsdienst, Krankenhäusern und Leitstellen koordiniert. Das bedeutet, sie können Anmeldungen aus Rettungsdienst oder Leitstelle entgegennehmen. Voraussetzung dafür ist eine Schulung und die Verfügbarkeit der Praxis.

„Im Augenblick geht es noch nicht darum, die vorhandenen Systeme größtmöglich zu nutzen, sondern wir prüfen zunächst die Schnittstellen“, erklärt Manuel Hack, Ausbildungsleiter in der Integrierten Leitstelle. Er hat die Einbindung der neuen Schnittstellensoftware in das bestehende System koordiniert und damit die Grundlage für die Teilnahme aller Pilotkreise am Projekt geschaffen.

Das Grundprinzip des SAN-Projekt folgt drei Zielen:
• Erkennen: Fälle, die ambulant versorgt werden können, werden durch eine strukturierte Abfrage identifiziert.
• Übergeben: Patienteninformationen werden sicher an die passende Versorgungsstruktur übermittelt, etwa an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst, eine Partnerpraxis oder andere geeignete Stellen.
• Steuern: Die Versorgung erfolgt dort, wo sie am besten geleistet werden kann. So können Rettungsmittel und Klinikressourcen für echte Notfälle freigehalten werden.

„Es ist zwar noch zu früh für eine Auswertung und Bilanz, da das Projekt in drei Landkreisen läuft und die Daten erst gegen Jahresende ausgewertet werden können. Wir sind aber schon jetzt überzeugt, dass dieses Projekt ein wichtiger Schritt in der Verbesserung der ärztlichen Versorgung ist und wir damit die Qualität im rettungsdienstlichen Bereich, aber auch in der ambulanten Versorgung deutlich steigern können“, erklärt Dr. Manuel Wilhelm.